Motorrad Camping

Egal ob für Wochenendtrip oder Weltreise, die ideale Grundausrüstung fürs Motorrad-Camping ist immer dieselbe. Doch welche Campingausrüstung eignet sich generell für die Motorradreise? Wie viel darf ein Motorrad-Zelt wiegen und wie viel Komfort sollte es bieten? Welche Art Schlafunterlage eignet sich fürs Motorrad-Camping und was darf diese kosten? Muss es fürs Camping mit dem Motorrad ein Benzinkocher sein oder fährst du mit einem Gaskocher, Spiritusbrenner oder Trockenbrennstoffkocher besser?

»Eine Nacht im Grand-Hotel ist Luxus für den Körper. Eine Nacht unterm Sternenzelt ist Luxus für die Seele.«

Till Eitel

Als Kind bin ich in den Schulferien oft mit meinen Eltern in Campingurlaub gefahren. Später habe ich viele Länder als Rucksacktourist bereist, war auch oft mit dem eigenen oder einem gemieteten Motorrad unterwegs. Nach dem Studium habe ich drei Jahre lang in Thailand gelebt, mir dort ein Motorrad gekauft und damit ganz Thailand und weitere Länder in Südostasien bereist. Zu Reisen mit wenig Gepäck und zu Motorrad-Camping konnte ich also schon viele Erfahrungen sammeln. Um meine Campingausrüstung weiter zu perfektionieren und Campinganfängern dabei behilflich zu sein, die für ihre Ansprüche perfekte Ausrüstung fürs Motorrad-Camping zusammenzustellen, fasse ich meine Erfahrungen und Erkenntnisse auf folgenden Seiten zusammen.

Hinweis: Ultraleichtes Campingequipment, wie es Expeditionsausrüster anbieten, ist extrem teuer und bietet kaum Komfort. Als Motorradreisender musst du dein Nachtlager nicht zu Fuß einen Fünftausender hinauftragen. Es gilt daher, bei der Ausrüstung immer den bestmöglichen Kompromiss aus kleinem Packmaß, geringem Gewicht, viel Komfort und tolerablem Preis zu finden. Wenn du nur auf ultraleichtes Campingequipment setzt, bist du schnell ein Vermögen los und deine Motorradtour wird zur Tortur.

Camping- und Outdoor-Bedarf bieten ein umfangreiches Sortiment: vom Wurfzelt bis zur ultrakompakten Espressomaschine, vom Faltstuhl bis zur Solar-Camping-Taschenlampe mit integrierter Powerbank. Nachdem das Platzangebot unserer Motorräder aber sehr begrenzt ist und viel zusätzliches Gewicht die Agilität unserer Maschinen einschränkt, gehe ich im Folgenden nur auf die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände fürs Motorrad-Camping ein.

Das Motorrad-Camping Nachtlager

Erholsamer Schlaf ist für eine sichere Motorradreise unerlässlich. Außer vor Wind und Regen müssen wir uns vor allem vor Kälte schützen. Bei heftigen Minusgraden ist es vielleicht sogar sinnvoller, auf das Motorrad ganz zu verzichten oder zumindest auf Übernachtungen im Zelt. Ich achte beim Kauf meiner Ausrüstungsgegenstände darauf, dass die vom Hersteller angegebene Komfort-Temperatur etwa um den Gefrierpunkt (ca. -3 °C bis +3 °C) liegt.

Das ideale Motorrad-Zelt verfügt über zwei Apsiden (eine für die Motorradstiefel, Koffer etc. und die andere, um bei Regen darunter kochen zu können) und bietet genügend Platz für dich und deine sperrige Motorradbekleidung (Helm, Jacke, Protektoren usw.). Alle Informationen über geeignete Zelttypen, die perfekten Abmessungen der Liegefläche, über ideales Packmaß und Gewicht habe ich dir unter Motorrad-Zelt zusammengefasst, dazu viele weitere Tipps.

Isomatte fürs Motorrad-Camping

Eine Isomatte fürs Motorrad-Camping hat zwei wesentliche Aufgaben zu erfüllen. Sie muss polstern und vor Bodenkälte schützen. Zudem sollte sie natürlich möglichst leicht sein und über ein kleines Packmaß verfügen. Klassische Schaumstoff-Isomatten (Art Yogamatte) sind in der Regel sehr dünn und leicht. Dafür sind sie sperrig und nicht besonders komfortabel, weshalb ich sie für Motorradreisen für ungeeignet halte. »Selbstaufblasbare« Isomatten isolieren gut, sind meist dick und bieten viel Liegekomfort. Im Gegensatz zu aufzublasenden Isomatten verfügen sie jedoch über ein größeres Packmaß (sie blasen sich ja nicht wirklich selbst auf, sondern verfügen über einen Schaumstoffkern, der nach dem Öffnen des Ventils seine ursprüngliche Form einnimmt) und sind zumeist etwas schwerer. Ich bevorzuge für Motorradreisen daher Isomatten, die ich selbst aufblasen muß. Meine Isomatte fürs Motorrad-Camping werde ich hier in einem Vergleich demnächst vorstellen.

Schlafsack für die Motorradreise

Ich habe mir bislang noch keinen Schlafsack extra für meine Motorradreisen gekauft, sondern verwende noch zwei alte Schlafsäcke von früher (ein dicker Mumien-Daunenschlafsack und ein dünner Decken-Daunenschlafsack) sowie einen Innenschlafsack (Hüttenschlafsack), den ich viel auf meinen Reisen als Rucksacktourist genutzt habe. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit Schlafsäcken sieht der perfekte Schlafsack für die Motorradreise für mich wie folgt aus.

Ideal fürs Motorrad-Camping ist aus meiner Sicht ein 3-Jahreszeiten-Schlafsack mit einer Füllung aus Kunststofffasern (Polyester), dessen Komfort-Temperatur laut Hersteller um den Gefrierpunkt liegen sollte. Eine Füllung aus Daune hat zwar überragend gute Wärmeeigenschaften, neigt bei Feuchtigkeit jedoch dazu zu verklumpen und muss stets gut getrocknet werden, was du auf deiner Motorradreise wahrscheinlich nicht garantieren kannst. Geeignete Schlafsäcke weisen ein Packmaß von etwa 20 × 30 cm auf und kosten zwischen 80 und 150 Euro. Besonders preisgünstige Schlafsäcke sind meist zu groß und schwer fürs Motorradgepäck und einen expeditionstauglichen Schlafsack zu Preisen zwischen 400 und 1.000 Euro halte ich für übertrieben.

Tipp: Wenn es dir vom Platz her noch ausgeht, empfehle ich dir, einen Innenschlafsack mitzunehmen. Dieser ist klein, leicht und preisgünstig und lässt sich sehr vielfältig verwenden. In heißen Nächten als alleiniger Schlafsack, in kalten Nächten als Zusatz, als Überzug für die Isomatte oder als Leintuch für die fleckige Matratze im Hostel usw.

Campingkissen

Ein Kissen gehört zu den Ausrüstungsgegenständen beim Camping, die gerne vergessen werden. Hier auf Amazon findest du aufblasbare Camping Kopfkissen zum kleinen Preis. Diese können bei Nichtgebrauch kompakt zusammengelegt werden und bringen kaum Gewicht auf die Waage. Alternativ kannst du natürlich auch die Packtasche von deinem Schlafsack als Kopfkissen nutzen, indem du diese zuvor mit Kleidern ausstopfst.

Campinglampen fürs Motorrad-Camping

Eine Stirnlampe gehört in den Tankrucksack eines jeden Motorradreisenden. Egal ob an der Autobahnraststätte oder am Campingplatz, meine sehr einfache und günstige Stirnlampe von Decathlon hat mir schon viele gute Dienste erwiesen. Ebenfalls preiswert war meine zusammenklappbare Solar-Camping-Laterne. Sie erfüllt gleich mehrere Funktionen, ist zugleich Zeltlampe, Taschenlampe, Warnleuchte und Powerbank. Den integrierten Akku kann ich über die USB Ladebuchse von meinem Motorrad oder über das integrierte Solarmodul per Sonneneinstrahlung laden.

Tipp: Als Taschenlampe fungieren heutzutage natürlich auch unsere Smartphones, aus denen sich mit einem einfachen Trick auch eine Campingleuchte zaubern lässt. Dazu musst du dein Smartphone nur mit eingeschalteter LED nach oben auf den Tisch (Alukoffer) legen und darauf eine Getränkeflasche positionieren. Das Licht durchflutet die Flasche und lässt diese aufleuchten. Je nach Farbe von Glas oder Plastik entsteht dadurch eine sehr angenehme, stimmungsvolle Beleuchtung.

Kochen und Verpflegung

Aufgrund der fehlenden Möglichkeit, Lebensmittel zu kühlen (du wirst mit der kleinen Motorradbatterie ja wohl kaum eine Kühlbox betreiben wollen), und dem sehr begrenzten Platzangebot des Motorrades erübrigt sich beim Motorrad-Camping das Mitführen einer umfangreichen Koch-Campingausrüstung. Gegen einen Instantkaffee oder Tee am Morgen oder mittags die schnelle Tütensuppe bzw. eine Brotzeit, Früchte und Gemüse spricht jedoch nichts. Im Folgenden also meine Motorrad-Camping-Küchenausstattung.

Welcher Campingkocher für die Motorradreise?

Für die Motorradreise scheint zunächst ein Benzinkocher naheliegend, führen wir doch immer zumindest etwas Benzin mit uns. Benzinkocher sind allerdings relativ schwer und sperrig, sie machen einen unglaublichen Krach, stinken nach Benzin und rußen, was die Düsen verstopft, die regelmäßig und ständig gereinigt werden müssen. Wegen der einfachen weltweiten Verfügbarkeit von Benzin kann ein Benzinkocher für eine Motorradweltreise sinnvoll sein. Auf europäischen Campingplätzen würde ich keine Benzinkocher einsetzen. Feststoffbrenner, wie z.B. Esbit-Kocher, bringen meiner Erfahrung nach zu wenig Leistung. Außerdem habe ich als Ortsfremder meist Probleme, an Brennstoff-Nachschub zu kommen.

Gaskocher sind relativ klein und leicht, sie brennen sauber und geräuscharm, ihre Leistung ist stark und lässt sich hervorragend regulieren. Für einen mehrwöchigen Campingurlaub mit dem Motorrad lassen sich ausreichend Gaskartuschen mitnehmen bzw. sind vor Ort oft passende Kartuschen erhältlich. Gegen einen Gaskocher für die Motorradreise spricht also kaum etwas.

Ich bin allerdings ein Fan von dem seit 1925 nahezu unverändert in Schweden produzierten Trangia Spiritusbrenner. Dieser Klassiker ist zwar nicht so leistungsstark wie ein Gasbrenner und lässt sich in der Leistung nicht regulieren, dafür ist er sehr kompakt, zuverlässig und Spiritus ist weltweit in nahezu jedem Supermarkt erhältlich. So warte ich gerne eine Minute länger, bis das Wasser kocht. Und die Leistung lässt sich auch regulieren, indem du den Behälter von der Flamme nimmst.

Tipp: Ein Holzvergaser in Kombination mit dem Trangia Spiritusbrenner ist eine tolle Kombination. Hobo Holzvergaser sind extrem leicht und platzsparend. Sie lassen sich mit Holz betreiben (kleines Lagerfeuer ohne Flurschaden) oder alternativ auch mit dem Trangia (Windschutz und Topfauflage).

Outdoor Messer

Auf kürzeren Reisen (Wochenendtrip) mit leichtem Gepäck und wenig Werkzeug packe ich meist mein LEATHERMAN Multifunktionswerkzeug mit in den Tankrucksack. Auf längeren Motorradreisen begleitet mich mein vollständiges Werkzeugset, sodass sich ein zusätzliches Multifunktionswerkzeug erübrigt. Als Messer nehme ich dann das sehr preisgünstige, leichte und robuste Morakniv mit. Ob Brot oder Früchte schneiden, Dosen öffnen, Feuerholz machen oder Zeltheringe schnitzen, ich kenne dafür kein besseres Messer!

Worauf Sitzen?

Ständig im oder vor dem Zelt auf dem Boden zu sitzen, ist sehr unkomfortabel. Im Campingzubehör gibt es mittlerweile auch sehr kompakt zusammenlegbare Stühle, die sich unter Motorradreisenden bewährt haben. Ich sitze jedoch am liebsten auf einem meiner Motorrad-Alukoffer. Meist lege ich mein Motorrad-Sitzkissen auf den Koffer, den ich als Stuhl verwende, den anderen verwende ich als Tisch.

Hängematte als Alternative

Eine Hängematte ist super bequem und kann sowohl als nächtlicher Schlafplatz als auch, um gemütlich darauf zu sitzen, genutzt werden. In warmen und trockenen Nächten kann dir eine Hängematte also das Aufbauen des Zeltes ersparen. Ich empfehle auf jeden Fall eine 2-Personen-Hängematte zu wählen, in der du diagonal schlafen kannst. Dadurch entsteht eine nahezu waagrechte Liegefläche, auf der es sich bequemer (ohne Kreuzschmerzen am nächsten Tag) schlafen lässt. Achte auch bei der Schlafunterlage darauf, dass sie sich gut in einer Hängematte verwenden lässt. Ich verwende auf meinen Reisen die kompakte, leichte und preiswerte 2-Personen-Hängematte von Decathlon und kann diese nur weiterempfehlen.

Richtig Packen für die Motorradreise

Bei der Campingausrüstung für die Motorradreise gilt generell: weniger ist mehr! Je kompakter und leichter dein Motorrad beladen ist, desto agiler lässt es sich auch bewegen und desto mehr Freude wird dir das Fahren bereiten. Das gilt insbesondere für Geländefahrten. Aus dem Grund setzen besonders ambitionierte Adventure-Bike-Fahrer auch auf ultraleichtes Campingequipment, das, wie anfangs erwähnt, entsprechend teuer und unkomfortabel ist.

Mit ein paar Tricks beim Packen lässt sich das Fahrverhalten deines Motorrades positiv beeinflussen. Teilnehmer einer Reisegruppe können gewisse Ausrüstungsgegenstände, etwa das Zelt oder die Kochausrüstung, miteinander teilen. Das allgemein genutzte Equipment wird dann gerecht auf alle beteiligten Motorräder verteilt, sodass der Einzelne mit weniger Gepäck unterwegs ist. Beim Packen und Verzurren des Gepäckes am Motorrad muss darauf geachtet werden, dass die schwersten Gegenstände so nahe wie möglich am Schwerpunkt des Motorrades (etwa beim Motor) untergebracht werden. Im Normalfall bedeutet das für Motorradkoffer möglichst weit unten und vorne. Auch die Sturzbügel eignen sich gut, um daran Gepäck nahe dem Schwerpunkt zu befestigen.